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Ein Jahr später: Review der BVG Werbung

/Ein Jahr später: Review der BVG Werbung

Meine Lieblingswerbung

Lieblingsessen, Lieblingsfilm, Lieblingslied. Jeder hat sie. Es liegt in der Natur des Menschen, Dinge zu vergleichen, um herauszufinden, was er am liebsten hat. Aber warum machen wir das nur mit Dingen, die uns grundsätzlich gefallen? Die wenigsten Menschen haben Lieblingsprobleme oder Lieblingsschmerzen. Dinge, die uns grundsätzlich keinen Spaß machen, versuchen wir zu vergessen und nicht darüber nachzudenken. 

Dann gibt es Werbung. Von vielen Menschen nur als störend wahrgenommen, von anderen als Inspiration gesehen, um Neues auszuprobieren. Werbung hat die unterschiedlichsten Effekte auf Personen – von Mensch zu Mensch, aber auch von Werbung zu Werbung. 

Ein Nutzer, der Werbung nur als störenden Aspekt der modernen „for free“-Kultur wahrnimmt, kann trotzdem in den Bann eines richtig guten Spots gezogen werden. Sogar wenn er ihn überhaupt nicht anspricht bzw. nicht relevant für ihn ist. 

Für mich persönlich ist Werbung ein Werkzeug. Ich arbeite täglich damit und ich sehe die Werbung als Mittel, um Interessenten zu helfen, ihren Bedarf an etwas zu stillen, vorzugsweise natürlich bei unseren Kunden. Ich sehe gute Werbung als Inspiration für meine eigene Arbeit und schlechte Werbung als Negativ-Beispiel für Schulungen und Workshops. Wenn ich Werbung sehe, achte ich darauf, wie die Personen angesprochen werden, wie Ton und Bild zusammen spielen und welche Emotionen spezifisch ausgelöst werden sollen. Wenn man Werbung so betrachtet, wird sie leider schnell langweilig. Man sieht nichts Neues mehr und das Interesse schwindet. 

Die Ausnahme

Warum kann ich mich dann nicht dazu bringen, die 1 Jahr alte BVG-Werbung zu überspringen, wenn ich Sie zum 30. Mal auf YouTube sehe? Ich rede natürlich von der „Ohne uns“-Werbung, in der der Song „Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“ von der Münchener Freiheit parodiert wird. Auch nach einem Jahr ertappe ich mich immer wieder dabei, diesen Spot als Beispiel für Kunden zu verwenden, wie man eine gute Werbung macht. 

Ich war in meinem Leben ein Mal in Berlin und es war eine so unangenehme Erfahrung, dass ich nicht vorhabe, nochmal dorthin zu gehen. Ich werde höchstwahrscheinlich niemals einen Bus oder eine Straßenbahn in dieser Stadt betreten. Die Berliner Verkehrsbetriebe werden aus mir keinen Kunden machen. 

Aber die Umsetzung dieses Spots ist faszinierend. Ich kenne jedes Stilmittel und jeden Reiz, der verwendet wird, um eine Emotion hervorzurufen und trotzdem läuft diese Anzeige jedes Mal bis zum Ende durch. 

Wie schafft es eine Werbung, die eigentlich komplett uninteressant für mich sein sollte, das hervorzurufen?  

Die Idee

Für mich liegt der Charme darin, etwas Altes zu verwenden, das jeder kennt und es so abzuändern, dass es doch wieder Neu ist. In vielen Spots überlegt man woher man ein Lied kennt, oder der Werbetreibende möchte am Puls der Zeit die neuesten Künstler in seiner Werbung vorzeigen, um der Marke eine moderne Note zuzuschreiben. Zwei Monate später weiß man nicht mehr, wer der Künstler ist und die Werbung steckt in der Zeit fest, in der Sie erstellt wurde. 

Die BVG haben nicht versucht die U-Bahn und den Bus cool und hip wirken zu lassen, sondern sind mit einem Song an den Start gegangen, der seit Jahrzehnten bei fast allen deutschsprachigen Personen bekannt ist. Gezieltes Uncool-Sein, aber mit voller Überzeugung. Keine 15 Sekunden Parodie, um zu zeigen, wie witzig man ist. 2 Minuten und 23 Sekunden volles Commitment. Ein Musikvideo mit passend neuer Szenerie für jede Strophe. Humor in jedem Frame, gekonnt geschriebener Text, aber nah genug am Original, dass jeder sofort weiß um was es geht. 

Jeder kennt das Lied und die meisten Leute mögen es auch, aber es hat nicht den Status wie ein echter Klassiker, dass es an Blasphemie grenzen würde, es zu parodieren. Man wird von der ersten Sekunde abgeholt mit etwas Bekanntem und wird dann doch angenehm überrascht mit dem neuen Text. Zu dem Zeitpunkt hat man schon genug gesehen, dass man wissen will, was noch passiert. Altes und Neues, Witziges und Interessantes, echte Probleme und funktionierende Lösungen.  

Von einem professionellen Standpunkt macht es den Anschein, als ob die Werbung im Labor entwickelt wurde, um viral erfolgreich zu werden. Und trotzdem werde ich den Gedanken nicht los, dass die Idee entstanden ist, weil man sich über den Song im Radio lustig machen wollte und das halbe Büro den Text absichtlich falsch mitsingt. 

Dieser Gedanke, dass es sich um eine Schnapsidee in der Mittagspause handelt, die komplett außer Kontrolle geraten ist, macht den Spot noch ansprechender. Die Zugänglichkeit, dass jeder auf diese Idee kommen könnte. Den Bezug den man hat, wenn man selbst bei der Weihnachtsfeier Lieder mit seinen Kollegen gesungen hat und den Text auf die eigene Branche änderte. Das sind Faktoren, die eine humorvolle Werbung dazu bringen langfristig interessant und unterhaltsam zu bleiben. 

Das Fazit

Wir sehen hunderte, wenn nicht tausende Arten von Werbung jeden Tag. Viele davon witzig, viele emotional, andere informativ. Die Wissenschaft ist sich immer noch nicht ganz einig, was die Menschen am besten anspricht. Jeder Ansatz löst andere Denkprozesse aus und wird anders verarbeitet, deswegen gibt es keine eindeutige Antwort. 

Alles was wir mit Sicherheit sagen können ist, dass es noch unzählige Ideen gibt, die darauf warten umgesetzt zu werden und mit Sicherheit wird die ein oder andere auch zu deiner Lieblingswerbung. 

2018-11-29T08:18:21+00:00 29. Nov 2018|Allgemein|0 Comments